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Juan L. Ortiz (1896 - 1978)
«Juanele ist ein sprachmystischer Naturpoet, der auf den ersten Blick vielleicht an Tagore oder Hesse erinnert, aber verortet am zauberischen Río Paraná im argentinischen Landesinneren. In Puerto Ruiz bei Gualeguay, Provinz Entre Ríos, wurde Juan L(aurentino) Ortiz am 11. Juli 1896 geboren. Um 1910 ging er einmal für drei Jahre in die Kapitale Buenos Aires, ansonsten lebte er stets in seiner Heimatprovinz. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich von 1915 bis zu seiner Pensionierung 1942 als Standesbeamter von Gualeguay. 1957 reiste er duch China und die ehemalige UdSSR. 1970 erschien in drei Bänden sein Gesamtwerk En el aura del sauce (In der Aura des Weihers), das ihn schon zu Lebzeiten berühmt machte. Seine Lieblingsautoren waren Cummings, Li Tai´Po, Pound und Rilke. Juanele kümmerte sich indes nur wenig um die wechselnden Tendenzen in der argentinischen Lyrikszene. Er starb mit 82 Jahren am 2. September 1978 in Paraná.
Sein Übersetzer ins Deutsche, der Literaturwissenschaftler und Dichter aus Rosario, Héctor Aldo Piccoli, Jahrgang 1951, der selbst immer wieder einige Gedichte auf Deutsch schreibt und in seine Lyrikbände einbaut, bezeichnet die poetische Gedankenwelt von Juanele als eine brüderliche Hineinstellung `des Menschen in die Pluralität der Naturreiche', die ihrerseits `in die große Einheit integriert werden': `Im engeren Sinne ist Welt die Welt des Flusses, des Río Paraná, eine Welt der Flußlandschaft. Der Fluß, dieser Fluß und sein Raum, ist der Ort, durch das sich das Universum manifestiert.»
Tobias Burghardt in «Zum Beispiel: Argentinische Lyrik», Flugasche, III/95.